Herzlich willkommen beim Sozialethischen Arbeitskreis Kirchen – Gewerkschaften

Schön, dass Sie da sind. Wir möchten mit Ihnen in einen Dialog treten – über aktuelle Fragen der Arbeitswelt und gesellschaftspolitischen Entwicklung. Unser Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von Gewerkschaftssekretären verschiedener DGB-Gewerkschaften mit Industriepfarrern und Sozialethikern beider Kirchen, die sich dem gesellschaftspolitischen Dialog verpflichtet wissen. Wir denken nach über das Teilen von Arbeit, Tarifautonomie und Mitbestimmung, Arbeit und Leben in unserer Industriegesellschaft im Umbruch. Und möchten mit unseren Memoranden Denkanstösse unter sozialethischen Aspekten geben.

Arbeit 4.0 – ein Zwischenruf

Noch nie gab es in Deutschland so viele Arbeitsplätze wie heute. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung 1989. Und trotzdem ist die Sorge um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sehr groß. Unsicherheit herrscht über die Zukunft der Erwerbsarbeit. Die Globalisierung schafft weltweite Konkurrenz. Die Digitalisierung ändert Zahl und Art der Arbeit radikal. Viele fragen, ob die Erwerbsarbeit noch Zukunft hat. Oder ob Einkommen und soziale Sicherung nicht auf ganz andere Weise gewährleistet werden müssen, zum Beispiel  durch ein bedingungsloses Grundeinkommen  Wir möchten dazu sozialethisch begründete Impulse geben. Und einige Lösungsvorschläge machen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Unser neues Memorandum „Für eine radikal reformierte Arbeitsgesellschaft! Ein Zwischenruf“ laden Sie als pdf-Datei hier herunter.

Arbeitskreis überreicht das Memorandum dem 1. Vorsitzenden der IG Metall, Jörg Hofmann

Am 23. Mai 2018 haben die Mitglieder des Arbeitskreises das Memorandum „Arbeit 4.0 – ein Zwischenruf“ dem 1. Vorsitzender der IG Metall, Jörg Hofmann überreicht und seine Inhalte erläutert. Dr. Klaus Lang stellte den wesentlichen Inhalt der Impulse dar während Prof. Dr. Heiner Ludwig die sozialethischen Grundlagen erläuterte. Im Zentrum des Gesprächs stand die gemeinsame Überzeugung, dass eine reformierte Arbeitsgesellschaft der beste Weg wäre, gute Arbeit und gute Einkommen für alle zu sichern. Das bedingungslose Grundeinkommen sei dagegen der  falscher Weg die Probleme von Arbeitslosigkeit und unzureichender Mindest-Sicherung zu lösen:

Braucht die Arbeitswelt eine Radikalreform?

23.05.2018 Ι Digitalisierung, Globalisierung: Unsere Arbeitsgesellschaft steht vor drastischen Umbrüchen. Wie bleibt die Arbeit menschenwürdig? Brauchen wir überhaupt noch Erwerbsarbeit? Ein Netzwerk von Gewerkschaftern und Betriebsseelsorgern gibt jetzt neue Antworten.

Klaus Lang hat eine Vision: Er will Deutschland zu einem Land machen, in dem Beschäftigte keine Angst mehr haben müssen – nicht um den eigenen Arbeitsplatz und auch nicht darum, ob das Geld bis zum Ende des Monats reicht. Soziale Sicherheit, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, menschenwürdige Gestaltung der Arbeitswelt, das sind seine Stichwörter.

Lang ist Mitglied im „Sozialethischen Arbeitskreis Kirchen und Gewerkschaften“ (SAK-KG), einem Zusammenschluss von Gewerkschaftern, Betriebsseelsorgern und Sozialethikern beider christlichen Kirchen. Den Arbeitskreis treiben ähnliche Fragen um wie die Gewerkschaften. Auch deshalb sind sieben seiner Mitglieder an diesem Mittwoch in die Frankfurter IG Metall-Zentrale gekommen, um ein neues Memorandum zu übergeben.

„Wir erleben derzeit eine paradoxe Situation: Der höchste Stand der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung seit der deutschen Wiedervereinigung geht einher mit einem fast ebenso hohen Maß an Verunsicherung über die Zukunft der Arbeit“, so steht es in einem Memorandum, das Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, entgegennahm.

Das Memorandum enthält zehn „Impulse“ zu Neugestaltung der Arbeitswelt. Die Vorschläge reichen von der Eindämmung der Leiharbeit und befristeter Beschäftigung über das Recht auf Weiterbildung bis hin zum Ausbau der Mitbestimmung in den Unternehmen. Mit einer „radikalen Reform“ soll ein neues Maß an sozialer Sicherheit geschaffen werden.
Bei Hofmann fallen die Impulse auf fruchtbaren Boden. Kaum ein Thema beschäftigt ihn so wie die überall spürbare Transformation der Arbeitswelt. Auch er fragt sich wie es gelingen kann, alle Menschen sicher und selbstbestimmt durch den tiefgreifenden Wandel zu bringen, den Globalisierung und Digitalisierung unaufhörlich befeuern.

Im Detail stellen sich dabei viele Fragen. Auf längst nicht alle gibt es schon Antworten. Doch welcher Grundsatz gelten soll, ist für Hofmann klar: „So vieles sich auch ändern mag: Maßstab muss der Mensch bleiben.“ Und noch etwas bleibe bestehen: „Arbeit ist weiterhin zentral für das Leben der Menschen – als Grundlage für Einkommen, soziale Absicherung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

Einig sind sich der IG Metall-Vorsitzende und die Arbeitskreismitglieder deshalb beim bedingungslosen Grundeinkommen: Sie lehnen es ab. Die Begründung von Klaus Lang: „Erwerbsarbeit bleibt für die Verteilung von Lebenschancen entscheidend. Weder die Bezieher noch die Bezahler eines Grundeinkommens werden auf Dauer zufrieden sein.“

Hofmann will die Arbeitgeber nicht aus der Pflicht lassen: Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würden sich die Unternehmen ihrer Verantwortung für den Sozialstaat entziehen.

Die Antworten auf die Umbrüche der Arbeitsgesellschaft müssen also anders lauten. Der Sozialethische Arbeitskreis hat dazu eine Vision entworfen. Ob sie Wirklichkeit wird, hängt nicht zuletzt von der Kraft der Gewerkschaften ab.

Lesetipp: Das Memorandum des Sozialethischen Arbeitskreises im Wortlaut.